Essen & Geistesnahrung

Meine Mutter hatte mich als Jugendlichen zu einem „Psycho-Heini“ geschliffen. Damals ging es um eine Angst vor Insekten. Weit über das Thema hinaus, hatte der Mann einen tollen Einfluss auf mich.

Irgendwann kamen wir auf das Thema Übergewicht und er war der Meinung. Ich lege ein Suchtverhalten an den Tag. Da helfe nur eine Kur. Einen Alkoholiker oder einen Drogenabhängigen kann man in einen Entzug stecken. Essen muss der Mensch, anders als Rauchen oder Trinken (Alkohol). Die Esssucht ist vollkommen heilbar, die Sucht nach Substanzen jedoch nicht: Ein Alkoholiker, ein Raucher kann schon nach einem Bier, einer Zigarette wieder abhängig sein.

Egal welche Sucht man hat, sie zu befriedigen führt einem weg von der Gegenwart. Plant man den nächsten Fressanfall braucht man sich nicht mit den Problemen beschäftigen, die die Seele durchbohren und schmerzen. Das Problem bei Esssüchtigen ist nicht die Substanz. So gesehen ist das Aufstellen von Diätplänen eine rein verhaltenstherapeutische Maßnahme. Vielleicht dreht sich bei manchen Diäten (Lebensentwürfen) zu viel um das Essen und zu wenig um das Leben selbst.

Als ich das erste Mal mit dem Rad nach Kassel fuhr (meinen 20. km im April) wurde mir in dem Moment eine Teilhabe am Leben bewusst. Die anderen Leuten beim Spazieren oder Radeln zu sehen, die Natur, das Wasser zu sehen. Das alles war Nahrung für den Geist, deswegen mache ich das mit dem Radfahren.

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Ein Gedanke zu “Essen & Geistesnahrung

  1. Sanguine 12. Oktober 2015 / 8:47

    Mit dem Essen kann man nicht einfach aufhören. Man braucht es, das stimmt.

    Viele Menschen sagen da einfach, na iss doch einfach weniger. Einfach? Wohl kaum. Das ist wohl eher mit der schwerste Entzug. Die ‚Droge‘ gibt es legal und günstig an jeder Ecke. Und man kann nicht ganz aufhören. Man muss seine Suchtmittel kaufen und zu sich nehmen.
    Es gibt keinen ‚trockenen Esser‘.
    Es ist schön, dass du diesen Kampf gewinnen möchtest, dass du Gefallen am Radfahren gefunden hast, Gefallen daran findest, deinem Körper etwas Gutes zu tun, deiner Seele etwas Gutes zu tun. Sich selbst etwas Gutes zu tun kann für manche ebenfalls eine schwere Hürde sein. Und täglich beginnt der neue Kampf, der Rückfall lauert immer.

    Ich kenne diese Kämpfe mit dem Essen, mit sich selbst, gegen und für sich. Auch wenn ich nicht die gleiche sucht habe wie du.

    Vielleicht findest du noch weitere Dinge, die einfach nur für dich sind, was dir gut tut. Mit einer gesunden glücklichen Seele, ist die Sucht mit dem Essen leichter zu bewältigen.

    Ich bin wirklich beeindruckt, wie schön du über deinen Weg schreibst. Sicher machst du damit auch anderen Menschen Mut.

    Einen schönen Tag!

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