Redekunst

Die Sprache ist für viele Menschen einfach nur ein Werkzeug, um einfacher durch den Alltag zu kommen. Es gibt Leute, die mit diesem Werkzeug geschickter umzugehen wissen, als andere. Kommunikationsfähigkeit ist eine Frage der Rhetorik. An der Kunstfertigkeit der freien Rede kann jeder arbeiten, zum Beispiel bei den Toastmasters. Die Toastmasters sind eine globale Organisation, in dessen Clubs Menschen ihre Scheu vor dem Reden überwinden und ihr rhetorisches Können auf ein überdurchschnittlich, hohes Niveau bringen.

Ein Abend bei den Toastmasters beginnt mit der Vergabe unterschiedlicher Rollen und lebt von der Beteiligung. So gibt es einen Zeitnehmer, einen Füllwortzähler, einen Sprachstilbewerter und vorbereitete Redner. Diese Abende sind durch eine straffe, zeitliche Gliederung sehr kurzweilig, spaßig und nebenbei erlernt man Mimik, Gestik, Körperhaltung, Betonung aber auch Kritik zu üben und mit ihr umzugehen. Jeder Beitrag beginnt und endet mit einem Händedruck und Applaus.

Gute Redende erkennt man daran: Sie…

  • … stehen im Raum und nicht am Rand.
  • … haben nicht die Hände in den Taschen,
  • … gestikulieren.
  • … sprechen nicht zum Präsentationsmedium sondern zum Publikum. (TTT= Touch->Turn->Talk)
  • … halten die Redezeit ein.
  • … flüchten nicht vor dem Applaus.

Betritt man die Redefläche und wird angesehen, ist das den meisten Leuten unangenehm. Das Eis breche ich ungern mit einem Witz. Als Moderator einer Veranstaltung beginnt es mit der Begrüßung. Als anmoderierter Referent ist eine Begrüßung nett, aber nicht erforderlich. Warum? Ist man der 8. Redner, erwarten die Zuhörer das 8. Hallo. Beginnt man unmittelbar mit seinem Thema (was mit einer Übersicht beginnen sollte) hat man größere Aufmerksamkeit. Füllworte wie „ääääh, jaaaa, hmmm…“ haben einen schlechteren Ruf. Füllworte verschaffen den Redenden und den Zuhörenden Zeit zum Nachdenken. Der einzige Nachteil: Sie bringen eine Unruhe ins Auditorium. Besser sind kurze Pausen, denn die Ruhe ist konzentrationsfördernd. Pausen gehören zu den schwierigsten Übungen eines Redners. Zum Schluss ein stilistischer Tipp:

Ich bedanke MICH für eure Aufmerksamkeit; heißt eigentlich: Ich danke mir (selber) dafür, dass ihr mir zugehört habt. Besser ist: Ich danke für eure Aufmerksamkeit! Von gutem Sprachgefühl zeugt auch die Vermeidung von: „das Aktuellste, das Neuste…“ Das Aktuellste ist eigentlich nur das (jetzige) Aktuelle. Sowie das Neuste einfach nur das Neue ist, alles andere ist das Alte…

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Ein Gedanke zu “Redekunst

  1. I. 10. Februar 2016 / 12:35

    Sehr interessant und schon mal ein kleiner Einstieg in eines meiner diesjährigen Ziele. In Rhetorik bin ich echt grottenschlecht.
    In meinem beruflichen Umfeld gibt es einen Redner, der als Füllwörter sehr häufig „gewissermaßen“, „im Prinzip“ und „sozusagen“ benutzt. Da wird das Zuhören noch anstrengender als bei einfachen „ÄÄÄÄh’s“.

    Gefällt 1 Person

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