Die Tänzer

Als die Räder laufen und sich die Kurbel drehte, war ein Kollege der Ansicht ich müsse den Radsport mit einem anderen Sport ausgleichen, zum Beispiel mit einem Fitnessstudio. Im Fitnessstudio gibt es noch eine klare Rollenverteilung, die Frauen machen Bauch, Beine, Po und die Männer beladen sich die Metallstangen mit großen Gewichten! Ich habe schon mal ein Kraft-Ausdauer-Training begonnen, aber das empfand ich als langweilig und ich verstehe auch, dass man sich zu so einen Sport erstmal aufraffen muss.

Zum Ausgleich zum Radfahren habe ich mir darum das Tanzen ausgesucht. Viele Männer sehen sich beim Tanzen körperlich nicht ausreichend ausgelastet. Klar ist das Tanzen kein Marathon oder Bankdrücken, dafür behält es jedoch andere Komponenten bereit. Beim Tanz geht es nämlich nicht um ein Wettkampfgedanken und man tanzt auch nicht gegeneinander, sondern es funktioniert nur miteinander. Die Bewegungen von Mann und Frau sind ähnlich (aber ungleich) und es braucht sehr viel Sensibilität und hohe kommunikative Geschicklichkeit, um einen Tanz zu beschreiten.

Die Schwierigkeit liegt in der unterschiedlichen Auffassung wie ein Tanz sein soll. Ich gehöre mehr zu den Technikern und achte auf eine möglichst saubere Ausführung vom Schrittmuster und Tritt. Darum fällt es mir schwieriger die Beine bei einigen Drehungen richtig zu sortieren, ist dieses Kunststück aber mal geschafft, beherrsche ich diese in allen möglichen Ausführungen und bringe Ideen rein, die von den Partnerinnen erstmal als falsch/schlecht beurteilt werden, oft aber von den Tanzlehrern bejaht oder eingeführt werden. Komme ich dabei aus dem Takt wähle ich die Schritte kleiner und versuche mich wieder in den Rhythmus einzufühlen. Einige Tänzerinnen machen dieses Spiel vorzüglich mit, andere mit mehr Rhythmusgefühl können sich damit nicht abfinden und der Tanz muss unterbrochen sowie neugestartet werden. Diese Frauen schaukeln dann mit den Armen und Hüften zur Musik, beherrschen die Drehungen sofort, daraus ergeben sich dann immer wieder Versatze in der Schrittfolge zwischen ihr und mir. Die ruhigere Führung der gefassten Hände ist korrekter als die mitschwingende Hand, allerdings passiert genau das eher unbewusst aufgrund einer undifferenzierten Körperwahrnehmung.

Das andere Extrem war eine Frau mit extrem muskulösen Rücken. In einem Lateintanz wollte sie auch um jeden Preis jede einzelne Muskelfaser unter Spannung halten und mich zu fehlerhaften Ausführungen verleiten. Genaugenommen zickte sie schon vor dem Tanz herum und lästerte über meine Freunde, die sie ja völlig falsch führten. Ich war so heilfroh als uns der Tanzlehrer erlöste und zum sofortigen Tausch mit einem anderen Single-Paar aufforderte. Zum Glück kam es nie zu einem mehrwöchigen, gemeinsamen Tanzkurs zwischen uns, war mein Fazit. Jetzt im Bronze-Kurs wird an den ganzen Feinheiten gearbeitet, die Betreuungsdichte ist wesentlich höher, ich bin schon gespannt wie ich in einigen Monaten erneut vom Tanzen berichten werde.

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