Zucker-Abgabe

Als ich vorhin bei Facebook surfte habe ich einen vom Bundestagsabgeordneten Dr. Edgar Franke geteilten Beitrag gelesen: Zuckerabgabe und steuerliche Vorteile für gesündere Lebensmittel. Ich finde das ein mutiges Thema, ist das Thema auch sinnvoll?

Den Sozialdemokratikern liegt es im Instinkt einen Freiraum zu finden und diesen dann mit Regulierungen zu füllen. Es gibt viele Gesetze, manche scheinen sinnvoll, andere sind bullshit, braucht es nun also ein Gesetz, welches gesündere Lebensmittel subventioniert und ungesündere Lebensmittel mit einer zusätzlichen Abgabe straft?

IMG_2923Subventionen haben immer die Kehrseite, dass sie unrealistische Preise für eine Sache im Markt etablieren und es für den Verbraucher damit auch schwieriger wird den Wert der Sache richtig einzuschätzen. Milchprodukte sind ein tolles Beispiel dafür, es ist Wahnsinn, wie viel Material bewegt wird, wie viel Wasser fließt um nur einen Liter Milch zu erzeugen. Noch krasser ist die Preiszusammensetzung für den Liter Milch. Ich habe Milch immer als gegeben angenommen, fällt eh an bei der Fleischproduktion (etwas unethisch ausgedrückt), weit gefehlt! Die Leute schütten die Milch nur so runder, man klärt bereits die Konsumenten auf: „Leute, Milch ist kein Getränk, sondern Nahrungsmittel!“

Sobald eine Subvention eine Sache lukrativ macht, führt das auch wieder zu Tricksereien. Schauen wir auf Dieselgate. Das konnte eigentlich nur passieren, weil Subventionen für den Diesel den Absatz von Dieselfahrzeugen lukrativ machten. Später kamen die Regulierungen zur Abgasreinigung dazu, woran man sich offensichtlich nicht so gerne hielt. Ich sehe darum auch schon die ersten Gummibärchen auf den Markt oder die nächste Cola in denen der Zucker so modifiziert ist, dass die Produkte quasi zum Preis eines Apfels über die Lagentheke gehen aber kein Stück gesünder als vorher sind.

Ich habe meinen Bundestagsabgeordneten darum den Vorschlag unterbreitet einfach wie auch bei Zigaretten die Werbung für Cola, Bier und Süßes zu verbieten, Totenköpfe und Bilder von Zuckerbeinen oder schlechten Zähnen auf die Packungen zu drucken. Denn ich finde nur das würde ein Bewusstsein für ungesunde Lebensmittel in den Köpfen der Menschen schaffen. Bei einer Zusatzsteuer vergisst man viel zu schnell, warum man sie überhaupt zahlt. Schließlich muss man sowieso ständig irgendwas zahlen und ich glaube nicht, dass es den Gesetzgebern immer nur um Geld geht, egal was Andere sagen.

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6 Gedanken zu “Zucker-Abgabe

  1. Paninero 25. August 2016 / 13:50

    Interessantes Thema, Christian. Ich bin zwiegespalten. Einerseits finde ich es gut, eine Zuckersteuer einzuführen (dann muss die Einnahme aber der gesunden Ernährung zugute kommen: gesundes Frühstück in KiTa und Schule oder für die Forschung, z. B. für gesündere und kalorienärmere Süßmittel, die keine Nebenwirkungen haben – ist aber nicht vom Steuerzahler nachzuvollziehen; keine Steuer unterstützt finanziell das Gegenteil dessen, was sie bekämpfen soll, z. B. Tabaksteuer). Andererseits halte ich absolut nichts von Lebensmittelsubventionen. Alleine der Wahnsinn mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)! Meine Kollegen und auch Bekannte schmeißen massenweise Lebensmittel weg, weil das MHD gestern abgelaufen ist! Da werde ich ja zum Missionar und rede mir den Mund fusselig. 😉 Lebensmittel sind in Deutschland zu billig. Das sehen Geringverdiener, Rentner, Kinderreiche und andere mit wenig Einkommen anders, logisch. Ich stimme Dir in Vielem zu.

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    • Christian 27. August 2016 / 15:37

      Das MHD ist tatsächlich auch so ein Thema, wieso um alles in der Welt braucht Wasser ein MHD? Doch als ich letztens aus dem Kühlschrank meines Arbeitsplatzes ein Curry-Snacker (Curry-King) heraus kollte war die Verpackung total aufgeblasen und straff, dabei war das Produkt gerade mal zwei Wochen übers MHD… Naja, sowas sollte man eh nicht essen….

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  2. Madame Graphisme 25. August 2016 / 17:08

    Ich bin gegen eine Regulierung durch irgendwelche Vorschriften. Die Menschen verlernen zunehmend, die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Das muss man nicht noch weiter fördern.
    Wer meint, sich von Zucker ernähren zu müssen, soll das gern auch weiterhin tun. So lange er auch die Konsequenzen dafür trägt, kann jeder zu einer Rumkugel mutieren, der das möchte. 🙂
    Und das Milchproblem … nun, bei uns auf dem Hof haben wir Ziegen. Die brauchen nichtmal ein Fünftel der Ressourcen einer Kuh, können zur Landschaftspflege eingesetzt werden und sind durch und durch entzückende Tiere (Weiße und Bunte Deutsche Edelziege, also auch auf Milchleistung gezüchtet aber keine Turboviecher). Ziegenmilch ist gesünder und wird von deutlich mehr Menschen vertragen als Kuhmilch. Sie hat nur eins: Ein Imageproblem. Ziegen waren die „Kuh des armen Mannes“ und dementsprechend sind auch heute noch Vorurteile stark verbreitet.
    Und natürlich sind Ziegen weitaus intelligenter als Kühe (etwa Hundeniveau, eher darüber), was sie in der Haltung ein wenig komplizierter macht, weil sie geistig gefordert werden wollen.
    Aber prinzipiell sind sie schon die Zukunft.

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    • Christian 27. August 2016 / 15:33

      Da fällt mir ein: Ich hatte letztens Ziegen-Camembert gegessen. Er war etwas körnig was auch an der Fettstufe gelegen haben könnte. Geschmacklich fand ich ihn sonst ansprechend.

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  3. julilo 26. August 2016 / 15:00

    Schwieriges Thema, Christian. Ich habe eine Zeitlang für die Lebensmittelindustrie gearbeitet und bin deswegen eher pessimistisch was die Lenkungswirkung einer solchen Abgabe/Subvention angeht. Genau wegen den von dir schon angesprochenen „Tricksereien“. Wenn Zucker mit einer Abgabe belegt wird, wird anderes Süßes verwendet. Je nach genauer Gestaltung wären das Fruchtzucker (ist noch schlechter), Sirups (flüssiger Zucker), Honig (in Biolebensmitteln sehr beliebt) oder künstliche Süßungsmittel (wollen wir wirklich so viel künstliches Zeug essen?). Denn der süße Geschmack soll um jeden Preis erzeugt werden. Ich kann mir sogar Aufschriften vorstellen, auf denen damit geworben wird, dass „echter Zucker“ verwendet wird.
    Problematisch ist aus meiner Sicht auch nicht der Zucker an sich, sondern dass er inzwischen in ganz vielen Lebensmitteln zugesetzt wird, in denen zumindest ich ihn nicht erwarte. Joghurt, zum Beispiel, oder Frischkäse. Manchmal stelle ich vier Sorten nach dem Studium des Etiketts wieder ins Regal. Und wer liest bei solchen Nahrungsmitteln schon das Etikett, wenn er nicht bereits vorher für das Thema sensibilisiert wurde?
    Milch ist meiner Meinung nach ein tolles Nahrungsmittel. Ich hole mir immer die Rohmilch vom Biobauern nebenan. Schmeckt ganz anders als alles im Supermarkt, da nicht homogenisiert oder gar „länger haltbar“. Und eine Wiese, auf der Milchvieh steht, ist mir wesentlich lieber als eine Maiswüste. Schlimmer geht immer und die Alternativen, die nach Abbau einer Subvention wirtschaftlich lohnend sind, sind häufig nicht die, die man sich wünscht.
    Wie bereits gesagt, pessimistische Gedanken, auch weil das Thema so komplex ist. Deswegen gehe ich gleich wieder raus, Kühe streicheln 😉

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    • Christian 27. August 2016 / 15:26

      Ja das ist wahr, die Sensibilität fehlt, in Frischkäse oder Krautsalat hätte ich auch viel weniger Zucker erwartet.

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