Fahrradbeleuchtung

Ich habe eine neue Fahrradlampe, es ist die Supernova Airstream. Der Kauf war notgedrungen, denn meine alte Lampe, die Busch&Müller IXON IQ Premium ist kaputtgegangen. Nun folgt ein Lampenvergleich zwischen diesen beiden Modellen.

Die IXON IQ und die IXON IQ Premium habe ich beide jeweils für die Dauer von einem halben Jahr getestet. Das Fazit zur Haltbarkeit und Produktqualität fällt ernüchternd aus. Bei meinem ersten Modell der IXON IQ konnte ich keine Mängel feststellen, einzig das Rücklicht aus dem Bundle IXBack wies einen Wackelkontakt in der Batterieklemmung auf. Da es teilweise für mehrere Minuten ausblieb tauschte ich das gesamte Lampenset. Das nächste Lampenset wies denselben Fehler auf, ein Zurechtbiegen der Kontaktplatten für die Lady-Zelle kam für mich nicht in Frage, das führt auf Dauer nur zu neuen Fehlern. Darum tauschte ich das Set gegen eine IXON IQ Premium und separaten Rücklicht, damit ich nicht immer beides umtauschen lassen muss. Inzwischen hatte ich eine Gabelhalterung für den Frontstrahler montiert, dieser brach mir bei einer Erschütterung vom Fahrrad. Grund war ein Herstellungsfehler, wie ich zuletzt beschrieb. Nun musste eine neue Lampe her und Busch&Müller kam nicht mehr in Frage. Neben den bereits beschriebenen Problemen büßten die Akkus immer sehr schnell an Kapazität ein.

Die Vorzüge der IXON Premium lagen in der Helligkeit und dem breiten Leuchtkegel. Eine ähnlich gute Lampe, aber noch bezahlbar und haltbarer musste her. Da fiel meine Wahl auf die Supernova Airstream. Sie hat zwar nicht diesen breiten Leuchtkegel, aber ist dennoch eine gute Lampe. Nun stellt sich die Frage ob teurer auch gleich besser ist? Diese Frage ist schwierig zu beantworten, in diesem Fall kann ich jedoch halbwegs qualifizierte Aussagen treffen, denn ich schreibe über mein Fachgebiet. Verglichen wird nun eine 60 EUR Lampe mit einer 180 EUR Lampe. Was gibt es mehr für dieses Geld???

WÄRMETRANSPORT: Die Airstream hat ein Gehäuse aus Aluminium und die IXON ein Plastikgehäuse. Das ist aus technischer Sicht äußerst relevant, denn Aluminium kann Wärme viel besser transportieren als Plastik. Insbesondere die LED muss möglichst gut ihre Wärme abführen können, denn Hitze ist für die allermeisten Halbleiterelemente der sichere Tod. Bei der Airstream wird die Wärme vom LED-Sockel direkt an das Lampengehäuse übertragen und in dessen Masse gespeichert. Der Name Airstream kommt daher, dass man das Gehäuse so konstruierte, dass es eine möglichst große Oberfläche für die Luftströmung bietet, sodass die gespeicherte Wärme direkt wieder an die Umgebungsluft abgegeben wird. Bei der IXON funktionierte die Wärmeabfuhr vom LED-Sockel anders. Hier wurde die Wärme einfach über die Leiterbahnen zum Akku geleitet und dort gespeichert, dann an die im Gehäuse eingeschlossenen Luft abgegeben. Das ist gleichzeitig auch der Grund für die stark nachlassende Akkukapazität gewesen. Ein guter Wärmetransport ist übrigens die Grundlage dafür, dass eine LED 100.000 Betriebsstunden erreichen kann.

AKKU: Die Airstream hat einen fest verbauten Akku. Dieser ist relativ klein dimensioniert, sodass die Lampe bei voller Leuchtstärke auf 2,5 Stunden Leuchtdauer und bei niedrigster Leuchtstärke auf 7,5 Stunden kommt. Die 7,5 Stunden wurden erreicht! Die IXON hat keinen festverbauten Akku sondern 4 AA-Zellen. Diese Akkus dienen allerdings nicht alleine als Energiespeicher, die Akkus haben einen sehr hohen Innenwiderstand, der Innenwiderstand wurde dafür benutzt die LED in einem bestimmten Betriebspunkt zu halten. Dadurch kann sich der Lampenhersteller viel Arbeit und Kosten einsparen. Dem vergleichsweise hohen Innenwiderstand bemerkt man darin, dass die Lampe mit leerem Akku etwas dunkler leuchtete als mit vollem Akku. Das war bei der Helligkeit nicht weiter schlimm, aber bemerkbar. Übrigens waren auch diese Akku-Kontaktfedern schlecht, bei Fahrten über Unebenheiten kam es immer wieder zu kleinen Lichtaussetzern oder Umstellung der Leuchtstufe. Bei der Airstream sorgt nicht der Innenwiderstand des Akkus für den Betriebspunkt (wie Drehzahl beim Automotor) der LED, sondern eine elektronische Schaltung. Eine elektronische Schaltung zur Betriebspunkteinstellung ist aufwändiger in der Herstellung, arbeitet dafür aber auch wesentlich Energieeffizienter.

20160830_201546_HDROptik: Bisher habe ich die elektrischen Verluste beschrieben, nun ist noch eine weitere Frage wichtig: Wie wird denn das Licht genutzt? An dieser Stelle kommt die Optik ins Spiel. Die Systeme unterscheiden sich auch hier extrem. Die IXON hatte ein Front-Plexiglas und der Reflektor war ein silberlackierter Kunststoff.  Die LED saß dabei ganz vorne im Gehäuse und strahlte nach hinten ab. Der Reflektor warf dann das Licht nach vorne auf die Straße. Diese Idee finde ich hervorragend! Dabei wurde das Licht sehr breit aufgefächert und leuchtete die Straße selbst in Kurven direkt vorm Fahrrad bis zum Wegesrand aus. Diese Lampe hat die Nacht zum Tag gemacht!!! In der höchsten Leuchtstufe hat man immer genug gesehen, es reichte für Sightseeing!!! Anders sah es jedoch bei der niedrigen Leuchtstufe aus. Durch die breite Auffächerung genügte der Lichtschein kaum zum Fahren auf Feldern bei dunkler Nacht. Die Airstream hat eine Optik aus Glas und diese ist ziemlich Markant: Eine Linse sitzt in einer Vertiefung direkt vor der LED und sorgt für die Ausleuchtung und Mittel- und Fernbereich. Ein weiterer Linsenring sitzt außenrum und leuchtet den Nahbereich aus. Der Leuchtkegel ist nicht ganz so weit aufgefächert, in Fahrten mit besonders engen Kurven fehlt mir hier sogar etwas, da bin ich mehr gewohnt. Dafür ist das Licht zentrierter und die Lampe selbst in der niedrigsten Leuchtstufe brauchbar. Der äußere Linsenring schafft es zudem die Verkehrsschilder bei vorschriftsmäßiger Neigungseinstellung gut auszuleuchten, das gelang der IXON dagegen weniger gut.

ELEKTRONIK: Zu der Elektronik ist zu sagen, dass die IXON rein über Spannungssignale gesteuert wurde. Ich erwähnte bereits einen hohen Innenwiderstand der Akkus und damit die nachlassende Helligkeit der LED. Neigte sich die Akkuladung dem Ende zu, dann schaltete die Lampe automatisch in den niedrigsten Leuchtmodus. Das ist absolut zweckmäßig und ich konnte damit gut umgehen. Die Airstream geht anders mit dem Mangel der Akkuenergie um. Der Akku hat einen relativ geringen Innenwiderstand, was zu einer wesentlich effizienteren Energiebereitstellung beiträgt. Die Spannung bricht trotz hoher Belastung mit Ende der Akkuladung nicht so stark ein, das bedeutet die Lampe bleibt immer gleichhell. Die Airstream hat einen Stromzähler verbaut (das ist nicht mit dem Haushaltsstromzähler vergleichbar aber) liefert immer eine Zuverlässige Anzeige zum Akkustand. Ein Farbcode zeigt dabei die Akkuladung an, in den Unterteilungen: 100%, 50%, 10% und <5%. Bevor die Lampe einfach ausgeht sendet sie nochmal einige helle „warn-Lichtblitze“, sodass der Fahrer nicht bei voller Geschwindigkeit im Dunklen gelassen wird, wenn er die Akkuanzeige nicht beachtet hat.

20160906_084923In den meisten Punkten halte ich die Supernova Airstream für die bessere Lampe, obwohl mich zu Beginn ihre Ausleuchtung etwas enttäuschte. Ich habe die Lampe für 150 EUR erstanden, weitere 20 EUR wurden für eine Gabelhalterung fällig. Die höhere Effizienz in den obigen vier Punkten spiegeln sich in diesem Preis wieder. Höhere Effizienz, bzw. weniger Verluste bedeutet auch höhere Lebensdauer. Ob sich die Anschaffung gelohnt hat, kann man jedoch erst nach zwei Jahren Gebrauch sagen. Sicherlich lohnt sich der Kauf dieser hochpreisigen Lampe nicht für Jedermann gleichermaßen. Will man einfach nur Helligkeit oder lange gesehen werden, dann ist eine günstigere Lampe die bessere. Sucht man dagegen einen Lampe die hell sein kann, aber auch im gedimmten Betrieb gute Ausleuchtung bietet und nicht nur ein Signallicht für andere Verkehrsteilnehmer ist, dann ist die teurere Lampe die bessere Wahl. Sicherlich spielen bei dem Kauf auch Emotionen eine entscheidende Rolle. Der eine gibt gerne viel Geld aus, der nächste ist Schnäppchen-Jäger, wieder ein anderer Technik-Fan. Für mich persönlich spielt die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle, darum ließ ich mich nicht von Lumen, Candela oder Lux in die Irre führen. Die Zuverlässigkeit ist entscheidend, denn nichts ist frustrierender wie Technik, die nicht oder nur eingeschränkt funktioniert. Ich darf es nicht riskieren, dass mein Radfahren durch so ein dummes Licht mit negativen Gefühlen verbunden wird.

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8 Gedanken zu “Fahrradbeleuchtung

  1. FettWegAndy 6. September 2016 / 12:12

    Hi,
    ich fahre in der dunklen Jahreszeit mit einer Philips SafeRide 80 die hat eine unglaublich breite Ausleuchtung und ist sehr hell. Allerdings nur in höchster Stufe und dann hält sie nur gute 2 Stunden.
    Im Ecobetrieb hält sie zwar deutlich länger aber dafür ist sie nicht viel besser wie eine Standartlampe. Ansonsten ist sie recht schwer und robust verarbeitet im Alugehäuse.

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  2. Paninero 6. September 2016 / 19:45

    Ich finde es lustig, eine Fahrradbeleuchtung Supernova zu nennen. 😉 Gut finde ich, wie professionell Du Dich um Dein Fahrrad kümmerst. Aber es ist ja mehr als ein Fahrzeug. Es ist Dein Sportgerät, mit dem Du Kalorien verbrennst und an dem Du wahrscheinlich immer mehr Freude hast, je leichter und fitter Du wirst. Da lohnt sich jede Investition.

    Gefällt 1 Person

    • Christian 7. September 2016 / 15:56

      Den Lampennamen fand ich auch witzig, ich überlegte gleich mehrere Sachen warum sie so heißen könnte:
      1) Sie leuchtet nur einmal grell auf…
      2) Sie hat einen integrierten Fusionsreaktor
      3) …

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  3. alex 7. September 2016 / 4:20

    Hallöchen, ja dann erstmal danke für diese Einblicke. Die Supernova macht auf mich eine sehr guten Eindruck. Mich würden aber tatsächlich zwei Punkte erheblich stören.

    Zum einen die wohl doch eher schmalere Ausleuchtung, Stichwort Kurvenfahrten und da hat mich die IxonIQ Premium mehr als nur einfach überzeugt und die Tatsache das es nur einen fest verbauten Akku gibt. So lange er auch halten mag, irgendwann ist er hinüber. Und dann ?
    Bei meiner IxonIQ Premium kann ich einfach die Akkus tauschen, was ich auch überigens im laufenden Betrieb tue, selbst auf lanegr Wintertour unterwegs.

    Natürlich gibt es das Manko der Plastikqualität bei B&M. Bei meiner Lampe ist das aber nicht akkut. Glück ?

    Viel Spaß noch mit dem neuen Brummer.

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    • Christian 7. September 2016 / 16:35

      Die Plastikqualität hat mich eigentlich nicht gestört. Es war eher so, dass mir die Gabelbefestigung brach und hier nicht etwa das Plastik sondern das Metall an der Biegestelle. Dadurch schlug die Lampe auf den Boden auf und ging kaputt.
      Das mit dem schmaleren Leuchtfeld sah ich am Anfang ähnlich, allerdings ist der Lichtkegel trotzdem so, dass er mehr als den Bereich ausleuchtet, den ich mit Lenkeinschlag befahre. Ich sehe den Vorteil, dass sie eben auch bei niedrigster Leuchtstufe den relevanten Bereich gut bis sehr gut ausleuchtet, besser als die IXON P.
      Der fest verbaute Akku stört mich auch, genau aus demselben Grund! Meine Touren gehen zwar niemals länger als 7 Stunden, dennoch werde ich mich irgendwann mit dem Akkutausch befassen müssen, man wird ihn jedenfalls nicht „leichtsinnig“ wechseln und sich 2…3 mal den Zeitpunkt überlegen die Lampe zu öffnen…

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  4. julilo 7. September 2016 / 12:57

    Nach der Lektüre deines Artikels ist mir bewusst geworden, warum ich mein Rad liebevoll „Traktor“ nenne. Weil es kein Sport-, sondern ein Transportgerät ist. Mit einem Standard-Nabendynamo. Eine ganze neue Welt eröffnet sich mir da. 🙂

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    • Christian 7. September 2016 / 15:52

      Ein Nabendynamo war auch eine Überlegung für mein Fahrrad, ich finde das total praktisch! Die Batterie-Lampe wurde es nur, weil mir Flexibilität wichtig ist.

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